Buchcover "Eine unglaublich sagenhafte Tortengeschichte" von Kate Davies

Eine unglaublich sagenhafte Tortengeschichte

von Kate Davies
Bohem Verlag
2021, 36 Seiten
Altersempfehlung: ab 4 Jahren
Preis: 16,95 Euro

Diese unglaubliche Geschichte spielt in einem unglaublich schönen und herrschaftlichen Hotel. Wir ahnen, dass in einem solchen Hotel alles nach Plan läuft. Schließlich erwarten die Gäste nur das Beste und einen Service, den es nur hier gibt, also einen perfekten Service.

Dieser perfekte Service hat mit Stefan, dem Küchenjungen, zu tun und beginnt morgens um fünf Uhr mit einem Becher frisch aufgebrühtem Kaffee für die Küchenchefin. Denn wenn die ihren Kaffee hatte, funktioniert sie wie ein Uhrwerk. Mit ihr der Rest der Hotel-Mannschaft.

Stefans Tag endet wie immer am Abend in der Küche mit dem Abwasch. Dabei träumt er wunderbare Tortenträume. Hör auf zu träumen, Stefan. Du weißt, dass nur der „Chef de Patisserie“ Torten backen darf. Küchenjungen sollten abwaschen, klar?!

Aber, wie das mit Märchen so ist, geschehen manchmal Dinge, die wir nicht erklären können.

Eines Morgens in aller Frühe, trommelt der Hoteldirektor seine Leute zusammen und teilt mit, dass das Hotel demnächst 100 Jahre alt wird und ganz besondere Gäste erwartet. Selbstverständlich wird auch die Herzogin des Landes erwartet. Eine ziemlich unangenehme Person, die gerne mal Hotels schließt, weil ihr am Service irgendetwas nicht gepasst hat.

Also! Große Aufregung. Die Küchenchefin wird mit dem Backen der allerschönsten, allergrößten, allerbesten Windbeuteltorte beauftragt, die die Herzogin jemals gesehen, geschweige denn gegessen hat. Jedenfalls liebt die Herzogin Windbeutel.

Und schon gibt es kein Halten mehr. Es wird gebacken, gekocht, geputzt, aufgeräumt, herum geschrien und Befehle erteilt. Normaler Alltag in einem solchen Hotel, wie mir scheint.

Allerdings gibt es ein kleines Problem. Die Windbeuteltorte will der Küchenchefin nicht so recht gelingen. Die Torte fällt immer wieder in sich zusammen. Sie kann sich nicht erklären, woran das liegen könnte.

Stefan weiß es, sagt es leise und muss unter dem Geschrei der Chefin die Küche verlassen.

Zuhause angekommen, kocht Stefan sich einen sehr guten Kaffee und beginnt mit dem Backen der wohl schönsten, leckersten, wunderbarsten Windbeuteltorte der Welt. Findet er.

Am Morgen des großen Festtages ist irgendwie alles anders im Hotel. Nichts funktioniert. Niemand kocht Kaffee, die Küchenchefin verschläft, weil Stefan sie nicht mit Kaffee versorgt und überhaupt – alles irgendwie komisch.

Zu allem Unglück verbrennt auch noch das frische Brot im Backofen, so dass irgendwann auch noch die Küche in Flammen steht. Die Feuerwehr kann nichts retten. Die Küchenchefin schreit nach Stefan. Aber den hat sie ja rausgeworfen.

Oben im Hotel läuft alles nach Plan. Die ersten Gäste treffen ein. Sogar die von allen gefürchtete Herzogin steht schon parat, um ihre Windbeuteltorte zu begutachten und keift, weil sie warten soll.

Hätte es unten in der Küche kein Feuer gegeben, würden die Feuerwehrleute nicht ihr Bestes geben, die Flammen zu löschen, die sich jetzt auf den Weg in die obere Etage machen und hätte die Herzogin nicht im Weg gestanden, wäre sie nicht von der Wasserfontäne getroffen worden, die ein Feuerwehrmann auf sie richtet. Mann, war das ein Satz!

Die Herzogin, zickig wie sie ist, kreischt irgendwas von „Hotel schließen“ und begibt sich hoch erhobenen Hauptes zum Ausgang.

Aber – komisch. Irgendetwas hält sie auf. Sie hebt ihren hochherrschaftlichen Kopf und schnuppert geräuschvoll. Ob sie gerochen hat, was wir alle schon wissen?

Richtig. Es ist Stefans superduperwunderbarste Windbeuteltorte der Welt, die sie erschnuppert hat.

Die Herzogin greift nach einem Windbeutel.
Sie beißt hinein.
Schließt die Augen.
Und strahlt.

Vergessen ist ihre schlechte Laune, ihre Unhöflichkeit und ihre schlechten Manieren. Sie strahlt. Und möchte wissen, wer dieses Wunderwerk vollbracht hat. Die Küchenchefin schweigt.

Der Hoteldirektor schiebt Stefan in Richtung der Herzogin und stellt ihn als „Stefan, unser Küchenjunge“ vor. In diesem Moment findet die Küchenchefin ihre Sprache wieder und sagt: „Er ist nicht mehr unser Küchenjunge. Er ist ab sofort, wenn er möchte, unser Chef de Patisserie!“

Applaus! Große Freude bei Stefan.
Ende gut.
Alles gut.

Herzogin mit einem vorzüglichen Menü bewirtet.
Superduperwunderbarste Windbeuteltorte als Nachtisch serviert.
Alle Gäste satt und hoch zufrieden.

Gut gemacht, Stefan. Wenn man beim Abwasch träumt, kann es passieren, dass der Traum wahr wird.

Bremen, 25. März 2021