Buchcover "Der 13. Stuhl" von Dave Shelton

Der 13. Stuhl

von Dave Shelton
Königskinder Verlag
2016, 300 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Preis: 17,99 Euro

Vor diesem Moment hatte Jack Angst. Alle zwölf hatten ihre Geschichte erzählt. Bis auf ihn. Jetzt war er an der Reihe. Er war der 13.

Aber welche Geschichte sollte er erzählen? Jeder der anderen hatte seine Geschichte erzählt. Gruselige Geschichten von Tod und Verderben, von Mord und Rache. Welche sollte er erzählen? Und was war das hier überhaupt? Er war schon oft an diesem Haus vorbei gegangen. Irgendwer hatte ihm gesagt, hier würden Geister leben. Das hatte er natürlich nicht geglaubt. Vor ein paar Stunden hatte er, weil er seine übergroße Neugierde nicht bezwingen konnte, das Haus dann doch einfach betreten, war dem Lichtschein gefolgt, hatte diese Tür geöffnet und war jetzt hier.

Zwölf Menschen, deren Gesichter der Kerzenschein nicht völlig frei gab, saßen an einem großen runden Tisch. Sie waren ruhig, freundlich und Jack zugewandt. Einer von ihnen schien der zu sein, der sagte, was gemacht werden sollte und alle anderen gehorchten. Aus den zwölf Menschen wurden mit Jack 13. Er wurde eingeladen, Platz zu nehmen. Er bekam den 13. Stuhl.

Somit war die Runde erweitert. Man konnte fort fahren mit dem Erzählen von Geschichten.

Jetzt war also er, Jack, an der Reihe, eine Geschichte zu erzählen. Etwas beunruhigte Jack. Was, wenn alle Geschichten erzählt waren, was würde danach passieren? Das vermochte er nicht zu sagen. Er wagte auch nicht, zu fragen. Aber da er neugierig, sich auf all das hier eingelassen hatte, wartete er ab und begann, seine Geschichte zu erzählen. Die Urlaubs-Geschichte mit seinen Eltern, wie er fast gestorben war und dann, dass er immer wieder an diesem Haus hier vorbei gegangen war, dass man ihm erzählt hatte, dass es im Haus wohl spukt, dass hier Geister wohnen würden und dass er keine Ahnung hatte, warum er heute Abend hier war.

Er sagte den anderen zwölf Anwesenden, dass er sich vor ihren Geschichten gefürchtet hatte und dass ihm irgendwann klar war, dass jeder von ihnen eine wahre Geschichte erzählt haben musste. Mehr noch. Er war fest davon überzeugt, dass alle hier im Raum wirklich Geister waren, die einander gruselige Geistergeschichten erzählten.

Und Jack fragte sich, ob das hier wohl ein Aufnahme-Ritual war.

Doch dann war da noch Megan.

Ein Jahr später…

Bremen, 15. Oktober 2016